Der ein oder andere Besucher von Pirats Bestiarium erinnert sich vielleicht: Ich habe einen Kumpel, der gerade Zeit in Neuseeland verbringt. Und gelegentlich liefert er mal was, was ich hier verwenden darf. Dieses Mal: Eine Spinne. Sie ist ihm irgendwie unter die Yoga-Matte geraten, wahrscheinlich als sie gerade ein Versteck suchte. Ihre Identifizierung ist einerseits einfach, andererseits schwierig.

Der einfache Teil: Die typische Färbung ist unverkennbar die einer „Whitetail Spider“, so werden die Tiere in Australien und Neuseeland genannt, womit die Gattung Lampona feststeht. Der Name leitet sich erkennbar von dem hellen Fleck am Körperende her. Doch die genaue Art zu bestimmen ist schwierig: Es gibt Lampona cylindrata und Lampona murina. Beide sehen so gut wie identisch aus, Größenunterschiede sind marginal und eine sichere Unterscheidung gelingt nur anhand einer mikroskopischen Untersuchung der Geschlechtsteile oder einer DNA-Analyse. Dummerweise kommen beide Arten in Neuseeland auch etwa gleich häufig vor (und sie wurden beide aus Australien eingeschleppt). Nachdem ich über eine Stunde verschiedene Bilder beider Arten online angestarrt habe, hatte ich das Gefühl, dieses Exemplar würde ein klein wenig besser zu Lampona murina passen, so vom Farbton her, aber das ist zugegeben eher subjektiv. Daher meine Entscheidung die Identifikation als Lampona cf. murina anzugeben. Das „cf“ leitet sich vom lateinischen confer für „vergleiche“ hab und wird klassischerweise in einem solchen Fall benutzt um sowohl Tendenz wie Unsicherheit bei einer Bestimmung wiederzugeben.

Soviel zur Taxonomie. Was lässt sich sonst noch zur „Whitetail Spider“ sagen? Sie gilt als eine der wenigen unangenehmen Spinnen in Neuseeland. Mit besten Dank nach Australien, wo die Gattung eigentlich heimisch ist und wie alles unangenehm beißen kann. Im 19. Jahrhundert wurden beide Arten nach Neuseeland eingeschleppt. Das Gift bringt einen jetzt nicht direkt um, kann aber schon schmerzen, es gibt Berichte über Schwellungen und Übelkeitsanfälle. Außerdem wurde lange vermutet, dass das Gift auch an der Bissstelle eine gewebszersetzende Wirkung hätte, weil es Berichte über Nekrosen gab. Inzwischen stellte sich aber heraus, dafür kann die Spinne selber nichts: Es sind Mikroben, die sie mit sich trägt, auch an ihren Cheliceren – also den Beißklauen – und die bei einem Biss in die Wunde gelangen können. Diese Bakterien greifen dann das umliegende Gewebe an und zersetzen es. Glücklicherweise kann auch das behandelt werden, die Nekrose muss weggeschnitten werden, dann muss die Wunde natürlich auch antibakteriell versorgt werden.

Ich danke meinem Freund Seb Streicher dennoch natürlich auch für den Todesmut, mit dem er die „Whitetail Spider“ abgelichtet hat. Auch großer Dank dafür, dass ich das Bild verwenden darf. Noch weiterhin viel Glück und Gesundheit ans andere Ende der Welt!