Was man nicht alles findet, wenn man aus anderen Gründen in alten Bildarchiven sucht! Diesen Nachtfalter hab ich 2014 im Garten meiner Eltern im Kölner Norden im selbstgebauten Toilettenhäuschen entdeckt und geknipst. Damals bin ich nicht zur Bestimmung gekommen, also jetzt. Und das erwies sich als spannender als gedacht!

Im ersten Anlauf schien der Fall recht schnell klar zu sein, dass es sich um ein Exemplar der Pyramideneule (Amphipyra pyramidea) handeln dürfte. Die kreisförmige Markierung passte augenscheinlich und auch die sonstige Tarnfärbung aus Bändern, Linien und Tupfen. Oder? Bei näherer Nachprüfung stieß ich auf einen sehr viel besseren „Match“: Svenssons Pyramideneule (Amphipyra berbera). Beide Arten sind sich extrem ähnlich. Zu unterscheiden sind sie neben Details des Genitalapparats nur anhand einiger Details der Musterung – die ringförmige Markierung ist bei Svenssons Pyramideneule größer und kräftiger, die Farbkontraste der Bänder und Tupfer sind stärker, ein dunkles Feld zwischen dem Ring und der inneren Querlinie ist annährend rechteckig anstatt rautenförmig wie bei der eigentlichen Pyramideneule. Der Trivialname verweist auf den schwedischen Schmetterlingsforscher Ingvar Svensson (1919-2011), der 1968 als erster nachwies, dass es sich bei Amphipyra berbera um eine eigene Art und nicht um eine Unterart der Pyramideneule handelte. Letztere war bereits 1758 beschrieben worden – und Svenssons Pyramideneule blieb unbemerkt. Daher hat sie auch den Spitznamen der „übersehenen Pyramideneule“. Neben den genannten Unterschieden bei den Imagines gibt es auch Unterschiede bei den Raupen und die Flugzeit von Svenssons Pyramideneule beginnt auch etwa zwei Wochen früher im Jahr. Ihre Flugzeit beginnt schon Anfang Juli und geht bis Oktober.

Da die beiden Arten so ähnlich sind, werden sie wahrscheinlich immer noch häufig verwechselt, vor allem Laien werden meistens Svenssons Pyramideneule für die eigentliche Pyramideneule halten. Daher ist das Verbreitungsgebiet von Svenssons Pyramideneule noch nicht gänzlich aufgeklärt. Grob gesagt scheint sie über weite Teile Europas, Nordafrikas und Kleinasiens vorzukommen. Derzeit gilt diese Art nicht als gefährdet.