Neulich habe ich eine der letzten Schönwetterphasen vor dem (hoffentlich) regnerischen Herbst für eine Fototour durch den Kölner Zoo. Und einmal mehr konnte ich eine Tierart wunderbar vor meine Kamera kriegen, bei der es mir vorher noch nicht gelungen war. Diesmal posierte mir eine Sattelstorch (Ephippiorhynchus senegalensis)-Dame. Und nein, ich hab ihr nicht unter die Federn geschaut. Man erkennt beim Sattelstorch an der Augenfarbe das Geschlecht – die Weibchen haben goldgelbe Augen. Und wir waren wir wirklich Aug in Aug gegenüber zueinander. Durch Zufall erwischte ich die Sattelstörchin genau dabei, als sie versuchte, mit dem Schnabel nach einer Wespe, die sie umschwirrte, zu schnappen – daher ist hier der Schnabel geöffnet. Rechts des Schnabels sieht man als verschwommenen gelben Fleck die Wespe.

Dieses Verhalten fand ich interessant. Es wirkte nicht wie ein einfaches verscheuchen, sondern eher wie ein „Ich versuch mal, ob ich diese Zwischenmahlzeit erwische, wenn sie meinem Schnabel nahe kommt“. Jedenfalls war es ein vorsätzliches Verhalten, die Sattelstörchin unternahm den Versuch mehrfach (allerdings erfolglos). Ich habe keine Ahnung, ob das bei Sattelstörchen ein übliches Verhalten ist. Normalerweise zeigen sie ein für Störche durchaus übliches Jagdverhalten, bei dem sie durch flaches Wasser oder hohe Gras staksen und dabei blitzschnell nach kleinen Beutetieren schnappen: Fische, Schlangen, Frösche, Nagetiere, größere Insekten, Schnecken, Krebse. Seltener wagen sie sich an Aas, wenn andere spezialisiertere Aasfresser wie Marabus und Geier noch Platz lassen. Diese optisch für uns Menschen sehr ansprechenden Störche kommen ausschließlich in Afrika südlich der Sahara vor, wo ihre Bestände unter Lebensraumverlust und Pestizid-Einflüssen zu leiden haben.