Heute wird es etwas exotischer und das dank meines Freundes Seb Streicher, der gerade für ein Jahr in Neuseeland ist und dabei die Augen für Pirats Bestiarium offen hält. Dieses Bild stammt aus einem Clip, den er vor kurzem in Blenheim, im Nordosten der neuseeländischen Südinsel, aufgenommen hat. Auf den ersten Blick sieht man, dass es sich um eine Gottesanbeterin handelt, die gerade auf der Unterseite eines Adapterkabels ihr Eipaket in einer sogenannten Oothek verpackt. Die Artbestimmung offenbarte dann aber tatsächlich noch einen darüber hinausgehenden Aspekt.

Es handelt sich nämlich um eine Südafrikanische Gottesanbeterin (Miomantis caffra). Was macht eine Südafrikanische Gottesanbeterin in Neuseeland? Die Art wurde in den 1970ern auf die Inseln eingeschleppt und erwies sich auch im neuseeländischen Wetter als sehr robust. Seit 1978 verfolgt man ihre Ausbreitung. Dabei steht sie in direkter Konkurrenz zur eigentlich in Neuseeland heimischen Art: Die Neuseeland-Gottesanbeterin (Orthodera novaezealandiae). Diese hat unter anderem einen breiteren Rückenschild auf dem Thorax (dem Brustabschnitt). Seit einiger Zeit beobachten Wissenschaftler und Naturschützer, dass die Südafrikanische Gottesanbeterin die Neuseeland-Gottesanbeterin zunehmend verdrängen. 2013 fand man auch heraus, woran genau das liegt: Die Männchen der Neuseeland-Gottesanbeterin können zwischen den Pheromonen ihrer eigenen Weibchen und denen der südafrikanischen Verwandtschaft nicht unterscheiden. Sie wagen sich dann zu einem nutzlosen Paarungsversuch an die weiblichen Südafrikanischen Gottesanbeterinnen heran und die Abfuhr sieht üblicherweise so aus, dass das Männchen der Neuseeland-Gottesanbeterin gefressen wird. Bevor es sich fortpflanzen konnte. Die Folgen für die Populationen der heimischen Art sind einigermaßen katastrophal. Damit sehen wir auf diesem Bild ein Beispiel für eine erfolgreiche invasive Art, die in ihrer neuen Heimat andere Arten verdrängt und damit massiv auf das Ökosystem einwirkt.

Die Oothek wurde, da der Adapterstecker noch andernorts gebraucht wurde, übrigens vorsichtig abgelöst und an einen geschützten Standort in naher Vegetation überführt. Dank für das Bildmaterial geht an Seb Streicher, dem ich sehr verbunden bin, dass wir das hier zeigen dürfen.