Diese große Libelle – eine der größten in Deutschland, bei einer Spannweite von bis zu 11 cm – sieht man meistens nur als bunten Pfeil an sich vorbeirasen: Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea). Selten kriegt man die Gelegenheit, ihre wunderschöne Färbung in Ruhe näher zu betrachten. Ich habe die Art bereits häufiger bei Jagdflügen auf dem Kölner Nordfriedhof (in der Nähe ist ein alter Baggersee) gesehen, bekam sie aber nie vor die Linse. Bei ihren Jagdflügen nach anderen Insekten, die sie aus dem Flug heraus mit ihren Vorderbeinen packen, kommen diese großen Libellen sehr weit rum und entfernen sich auch häufig ein ganzes Stück von dem Gewässer, dass eigentlich ihre Kinderstube ist.

Dieses Weibchen (erkennbar an seiner Färbung und den Hinterleibsanhängen) hier posierte nun auf der Treppe einer Sportanlage im Kölner Stadtteil Westhoven. Meinem Sohn war das Tier zuerst aufgefallen, das sich irgendwie so gar nicht von uns beeindrucken ließ. Von den vielen Schnappschüssen hab ich hier den schönsten rausgesucht. Allerdings muss ich auch berichten, dass die ungewöhnliche Geduld der Blaugrünen Mosaikjungfer wohl nicht freiwillig war. Wer genau hinsieht erkennt bei dem linken Flügelpaar, welches hier dem Betrachter entgegen ragt, eine Unregelmäßigkeit. Dem vorderen Flügel fehlt die Spitze und der hintere Flügel ist sogar zu zwei Dritteln verloren gegangen. Die entsprechenden Kanten waren ausgefranst. Das Tier konnte schlicht nicht mehr abheben, selbst wenn es gewollt hätte (was wohl sicher der Fall war). Meine Vermutung: Das Tier stammte von der nahen Westhovener Aue und hatte sich auf einem Jagdflug befunden. Dabei muss es wohl selbst plötzlich die Gejagte geworden sein, vermutlich von einem Vogel. Der erwischte jedoch nur einen Flügel. Die Libelle konnte wohl gerade noch auf der Treppe landen, wo sie dann still saß und vor dem Untergrund von oben nur noch schwer zu sehen war.

Eine traurige Geschichte, wir konnten ihr natürlich auch nicht mehr helfen. Wir haben sie mit einem Ast vorsichtig umgesetzt in das Schotterbett neben der Treppe, damit sie zumindest nicht unter der Schuhsohle eines unachtsamen Menschen landet.